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Flucht in die Freiheit
Sabatina James widersetzte sich der Zwangsehe und konvertierte zum Christentum.
Ein muslimisches Mädchenschicksal in Europa: Sabatina James ist gerade 17 Jahre alt, als sie von ihren Eltern, die seit 1992 in Österreich leben, gezwungen wird, sich mit ihrem pakistanischen Cousin zu verloben.
Um nicht heiraten zu müssen, bricht sie mit ihrer Familie, zieht in eine eigene Wohnung. Als sie sich schließlich zum Christentum bekennt, droht ihr der Vater mit Mord. Seitdem ist Sabatina ständig auf der Flucht. Im Oktober 2003 wird Sabatina, deren Name ein Pseudonym ist, katholisch getauft. Ihre Geschichte hat die junge Frau in einem Buch veröffentlicht. LiMa-Redakteurin Regina Bruns sprach mit der Autorin.
LiMa: Welche Reaktionen haben Sie auf Ihr Buch bekommen?
Sabatina: Bei mir haben sich viele muslimische Frauen und Mädchen gemeldet, die gegen ihren Willen verheiratet wurden. Leider haben sie oft nicht die Kraft, sich gegen ihre Eltern oder Ehemänner aufzulehnen. Denn was sie dann erwartet, ist die Isolation innerhalb der muslimischen Gesellschaft. Nachdem man als Frau immer von der Außenwelt ferngehalten wurde, verliert man mit einem Mal auch die eigene Familie. Die Einsamkeit, die einen dann erwartet, ist wirklich kaum zu ertragen.
Ihre Eltern bedrohen Sie mit dem Tod: Warum tun sie ihrer eigenen Tochter das an?
Das hat viel mit dem muslimischen Begriff von Ehre zu tun. Es gibt ein pakistanisches Sprichwort, das besagt: „Die Tochter ist die Last auf den Schultern des Vaters, bis sie verheiratet ist.“ Sobald ein Mädchen aus der Tradition ausbricht, ist die Ehre der ganzen Familien beschmutzt.
Hat dieses Verhalten Ihrer Eltern in erster Linie etwas mit der Kultur oder auch mit Ihrem Glauben zu tun?
Nach meiner Erfahrung spielt da die Religion schon eine entscheidende Rolle – auch wenn es natürlich auch aufgeklärte Moslems gibt. Als ich in der Koranschule war, wurde mir jedoch immer gesagt, dass ich nur ins Paradies komme, wenn ich die Pflichten gegenüber meinem Ehemann erfülle. Außerdem habe ich in Deutschland pakistanische Christen kennen gelernt, die – obwohl sie aus dem gleichen Land wie meine Familie kommen – ein ganz anderes Frauenbild haben.
War das auch ein Grund, warum Sie zum Christentum übergetreten sind?
Ja, das hat schon mit reingespielt. Im Koran steht immer: Sagt euren Frauen dieses, sagt euren Frauen jenes. Als ich die Bibel aufgeschlagen habe, habe ich zum ersten Mal erlebt, dass Gott mich direkt anspricht, obwohl ich eine Frau bin. Das Wichtigste ist für mich jedoch, dass Jesus die Liebe in den Mittelpunkt gestellt hat.
Haben Sie den Eindruck, dass die europäische Bevölkerung angemessen auf das Phänomen „Zwangsverheiratung“ reagiert?
Überhaupt nicht. Das Problem ist, dass die Mitarbeiter in den Behörden nicht geschult sind und daher nicht ahnen, wie die Muslime hier ihre Traditionen durchsetzen. Außerdem hat in Österreich oder Deutschland jeder Angst, als Rassist abgestempelt zu werden, wenn er sich in eine andere Kultur einmischt. Was aber oft nicht verstanden wird: Es geht hier nicht um Rassismus, sondern um Menschenrechte.
(Interview aus dem Magazin LiMa (Liborius Magazin) vom Juni 2005