Ehrenmord

Am Ende der Gewaltspirale steht der Ehrenmord. Wenn die Familie der Meinung ist, dass ein Mädchen „Schande“ über die Familie gebracht hat, kommt oft Gewalt ins Spiel. Für manche bedeutet dies, dass die Familienehre nur durch den Tod des Mädchens wieder hergestellt werden kann.
In Deutschland rückte der Fall von Hatun Sürücü im Jahr 2005 das Thema „Ehrenmord“ in den breiteren Fokus der Öffentlichkeit. Die 23jährigen Deutschkurdin wurde in Berlin auf offener Straße von einem ihrer Brüder erschossen.
Hatun war das fünfte Kind der Familie Sürücü und in Deutschland geboren und aufgewachsen. Als sie sich immer unabhängiger von ihrer Familie machen wollte, meldete der Vater sie von der Schule ab und zwang sie, in Istanbul ihren Cousin Ismail zu heiraten. 1999 floh sie, bereits schwanger, vor ihrem gewalttätigen Mann und dessen Familie und kam wieder nach Berlin zurück. Sie lebte in einem Frauenhaus, brachte ihren Sohn zur Welt
und machte eine Ausbildung. Am Abend des 7. Februar 2005 besuchte einer ihrer Brüder sie. Als sie ihn zur Bushaltestelle begleitete, schoss er ihr dreimal ins Gesicht. Sie verstarb noch am Tatort.
Der Haupttäter wurde zu neun Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, die mithelfenden Brüder wurden „wegen Mangels aus Beweisen“ freigesprochen. Der Fall von Hatun hatte großes Aufsehen erregt, zeigt er doch das Versagen von Justiz und Jugendämtern exemplarisch.

Im Frühjahr 2019 wurde das traurige Schicksal von Hatun unter dem Titel „nur eine Frau“ verfilmt.

Trailer zum Film „Nur eine Frau“: