ASIA BIBI ist frei – aber Pakistans Christen leiden weiter!

Im Frühjahr 2019 ist die verfolgte Katholikin Asia Bibi, deren Fall weltweit Aufsehen und Empörung erregt hat, nach Kanada ausgereist. Kanada war eines der wenigen Länder, die Asia nach ihrer zehnjährigen Haft Asyl angeboten hat. Sabatina e.V. hat Asias Fall von Anfang an begleitet. Durch die Großzügigkeit unserer Spender war es uns möglich, den Rechtsbeistand für Asia Bibi zu finanzieren.

Asia Bibi ist frei, aber ihr zehnjähriges Leiden hat viel Blut gekostet:

Salman Taseer, der Gouverneur der Provinz Punjab, wurde am 4. Januar 2011 ermordet, nachdem er sich für die Freilassung von Aisa Bibi ausgesprochen hatte. Sein Mörder war sein eigener Leibwächter gewesen, der als Motiv für seine Tat Taseers Kritik am Blasphemigesetz und Unterstützung für Asia Bibi angegeben hatte.

Der christliche Minister für Minderheiten, Shahbaz Bhatti, wurde ebenfalls ermordet, nachdem er sich für Asia Bibi eingesetzt hatte.

Asia Bibi ist frei, aber Pakistans Christen leiden weiter. In derselben Zelle, in der Asia fast ein Jahrzehnt verbrachte, sitzt nun die Christin Shagufta Kausar.

Shagufta und ihr Mann Shafquat Emmanuel wurden am 4. April 2014 wegen des Vorwurfs der Blasphemie zu Tode verurteilt. Sie sollen von Shaguftas Handy englische Textnachrichten gesendet haben, die den Propheten Mohammed und den Koran beleidigten. Und dabei sind bei Analphabeten, sie können noch nicht einmal in ihrer Muttersprache Urdu lesen und schreiben. Shagufta und Shafquat haben vier Kinder: Zain (15 Jahre), Danesh (12 Jahre), Joshua (10 Jahre und Sarah (9 Jahre), die sich gegenwärtig in der Obhut einer Tante befinden. Shafquat ist behindert, aufgrund eines Unfalls ist er an den Rollstuhl gefesselt. Wir kennen noch viele weitere solcher Fälle.

Asia Bibi ist frei, aber ihr Ihr Anwalt, der den Freispruch für sie durchgefochten hat, musste in die Niederlande fliehen. Viele andere Christen fliehen vor der Verfolgung, fliehen vor den grausamen Auswirkungen des Blasphemiegesetzes.

Die Christen Pakistans erleiden ein unfassbares Martyrium. Erschütternd ist, dass gerade in den westlichen Ländern die Politik wenig tut, um zu helfen. Es wird einfach hingenommen, dass Menschen ermordet werden.

Pakistanische Christen, die es bis nach Deutschland schaffen, werden oft genug von den Asylbehörden abgelehnt. Deutsche Asylrichter sind der Überzeugung, es gebe keine Verfolgung in Pakistan.

Aber es ist Verfolgung, wenn ein 17-jähriger Student von seinen Klassenkameraden zu Tode geprügelt wird und die Lehrer nichts tun um ihn zu retten.

Aber es ist Verfolgung, wenn junge Mädchen vergewaltigt und zu Tode gequält werden und die Polizei nichts gegen die Täter unternimmt.

Aber es ist Verfolgung, wenn ein Mob von 1000 Islamisten unschuldige Christen lebendig verbrennt und ihre Kinder zwingt, dabei zuzusehen.

Nicht zu vergessen sind noch die Hunderten von Toten, die bei Anschlägen auf Kirchen umgekommen sind.

Jene, die es schaffen, das Land zu verlassen und nach Thailand oder Malaysia zu fliehen, werden dort wie Tiere hinter Gittern gehalten und sind für das tägliche Brot auf Hilfsorganisationen angewiesen.

Andere, die es nach Europa schaffen, werden zu fast 100 Prozent abgelehnt, mit der Begründung, es gebe keine Probleme für sie in Pakistan. Das ist an Unmenschlichkeit kaum zu überbieten.

Das Drama der Christen in Pakistan wird im Westen, der von seiner eigenen Religion entfremdet ist, kaum zur Kenntnis genommen.

Zum Beispiel war England nicht bereit gewesen, Asia Bibi und ihrer Familie Asyl zu geben. Dafür aber wurden 1112 syrische Flüchtlinge von England aufgenommen, darunter aber kein einziger Christ. Christen werden auf dem Altar der political correctness geopfert.

Der Freispruch von Asia Bibi ist ein Erfolg, der uns anspornt, unsere Arbeit fortzusetzen.

Bitte helfen Sie uns weiter, damit wir den verfolgten Christen in Pakistan beistehen können.

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Asia Bibis Leidensweg

Asia Noreen, alias Asia Bibi, wurde in Pakistan wegen „Beleidigung des Islams“ zum Tode verurteilt. Die Christin, die als Tagelöhnerin in einer Obstplantage arbeitete, wurde am 19. Juni 2009 im Dorf Ittan Wali verhaftet. Sie hatte im Auftrag eines Landwirts Wasser für die Feldarbeiterinnen geschöpft. Als sie es ausschenken wollte, weigerten sich die muslimischen Frauen das Wasser zu trinken, da das Gefäß von einer Christin berührt wurde und somit „unrein“ geworden war. Aus Empörung schleppten Muslime sie zu einer Moschee, wo sie ihrem Glauben abschwören sollte. Als sie dies verweigerte, wurde sie misshandelt und dann der Polizei übergeben.
Am 8. November 2010 verurteilte sie das Gericht in Nankana, in der Provinz Punjab, aufgrund des Blasphemiegesetzes (§ 295-C Strafgesetzbuch) zum Tode.

Zehn Jahre saß Asia Bibi, Mutter von fünf Kindern, in der Todeszelle. Sabatina e.V. hat sich sofort ihres Falles angenommen. Neben zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Aktionen (Infostände, Mahnwachen, Unterschriftenaktionen) konnten wir auch den damaligen Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag gewinnen, der an die pakistanische Regierung  appellierte, Asia Bibi freizulassen und sie aufforderte, die von ihr unterzeichneten internationalen Vereinbarungen der Menschenrechte endlich einzuhalten und die Religionsfreiheit auch den Nichtmuslimen in ihrem Land zu gewähren.

Am 16.10.2014 ist Asia Bibi mit einem Berufungsantrag gescheitert. Das Gericht der Stadt Lahore hatte die Berufung abgelehnt, teilte uns ihr Anwalt Naeem Shakir mit. Imame, die der Verhandlung beiwohnten, bejubelten das Urteil. Asia Bibis Ankläger, der Imam Yari Saleem, sagte, das Urteil sei ein Sieg für den Islam.

Als Asia Bibi am 31.10.2018 vom Obersten Gerichtshof in Pakistan freigesprochen wurde, führte dies zu massiven Protesten. Religiöse Führer riefen zur Rebellion und zur Tötung Asias auf. Ihre Familie musste untertauchen. Noch war Asia nicht gerettet. Religiöse Fanatiker forderten eine Revision des Freispruchs. Die Regierung gab vorerst nach, Asia durfte das Land nicht verlassen und wurde nach ihrer Freilassung am 7. November an einen unbekannten Ort gebracht. Im Januar 2019 schließlich wurde der Freispruch bestätigt.