Asyl in Europa?

Sehr wenige der verfolgten christlichen Familien verfügen über die materiellen Mittel, um einen Agenten zu bezahlen, der ihnen hilft, das Land zu verlassen und nach Europa zu fliehen. Wenn es ihnen gelingt, nach Europa zu kommen, sehen sie sich neuen Problemen gegenüber. Sie sind sich nicht nur nicht bewusst über das Asylverfahren, sondern auch oftmals fehlinformiert.

Ijaz Mathews, Direktor der Pakistan Christian Foundation in den Niederlanden, berichtet darüber: „In den letzten fünf Jahren haben wir juristische und medizinische Hilfe als auch moralische Unterstützung an mehr als 20 Familien oder Individualpersonen gegeben.“ Das größte Problem der christlichen Asylsuchenden sei es, dass sie kaum Beweise haben, die ihre Anträge unterstützen. „Eine weitere Herausforderung ist für uns, dass viele der Flüchtlinge auf unseriöse Ratschläge von in Europa lebenden Landsleuten gehört und ihre Identitätspapiere bzw. Pässe zerstört oder weggeworfen haben. Das macht es für uns sehr schwierig, ihre Identität, ihren Namen, ihre Herkunft und ihre Religion zu belegen. In Pakistan stehen all diese Dinge, auch die Religionszugehörigkeit, im Pass.“

Diese Mangel an Beweisen ist in den meisten Fällen der Grund für die Ablehnung der Asylanträge.

Mathew führt weiter aus, dass die pakistanische Regierung, obwohl sie eine Identität bestätigen könnte, dies sehr oft nicht tut. Gerade in den Niederlanden ist die Situation christlicher Flüchtlinge äußerst gravierend: „Sobald ein Asylgesuch abgelehnt wurde, werden die Flüchtlinge aufgefordert, das Land binnen 24 oder 48 Stunden zu verlassen. Da sie nicht wissen, wo sie sonst hinsollen, fliehen sie oft in kirchliche Einrichtungen oder an andere Schutzorte, die ihnen etwas zu essen und Unterkunft bieten können.“

Ablehnung von Asylgesuchen

Aufgrund von vielen falschen pakistanischen Asylgesuchen müssen gerade Christen die Konsequenzen dessen tragen. Einer dieser Betroffenen ist Samuel R.* aus Gujrat in Pakistan. In einem Café im Münchner Hauptbahnhof erzählt Rashid die Geschichte seines Lebens und was ihn veranlasste, zu fliehen und alles hinter sich zu lassen.

Samuel, von Beruf Schneider, wurde 1979 in eine normale christliche Familie geboren. Sein Vater arbeitete für die Stadtverwaltung als Straßenfeger und lebte in einer christlichen Gemeinschaftsunterkunft.

Im Jahr 2000 veränderte sich das Leben von Samuel und seiner Familie um 180 Grad. Samuel berichtet: „Eines Tages kam Mohammad A., ein Muslim, der in der Nähe unseres Hauses wohnte, und entführte meine 25jährige Cousine. Sie kam nie wieder nach Hause.“ Samuel und seine Familie taten alles, was in ihrer Macht stand, um Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Jedoch stammt der Straftäter aus einer sehr einflussreichen Familie und nichts geschah. Immer wieder wurde die Familie bei der Polizei vorstellig, um das Mädchen irgendwie wieder aus den Fängen der Entführer zu bekommen. Schließlich berief die Polizei beide Parteien ein, um zu einer Lösung zu kommen.

„Mohammad behauptete, dass das Mädchen keinesfalls entführt wurde, vielmehr sei sie einvernehmlich mitgekommen, mittlerweile zum Islam konvertiert und sie wünsche nicht mehr nach Hause zurückzukehren.“, berichtete Samuel von dem Treffen. Weiteres behauptete Mohammad, dass er das Mädchen geheiratet habe, also lebe sie mit ihrem Ehemann und nicht mit einem Entführer.

In Folge kam es zu einem heftigen Wortwechsel, währenddessen Samuel Mohammad heftig beschimpfte.

Wenige Tage später tauchten Mohammad und dessen Freunde vor Samuels Haus auf und schossen auf ihn, als er sich auf den weg zur Arbeit machte. Im Ersten Untersuchungsbericht, der uns vorliegt, steht, dass ;Mohammad Samuel mit einer Waffe in der Hand drohte, er werde ihn umbringen. Als Samuel versuchte, wegzulaufen, schoss ihm Mohammad in die Beine. Nachbarn kamen ihm zu Hilfe und brachten ihn ins Krankenhaus.

Samuel verfügt ebenso über einen Arztbericht, der seine Schusswunden detailliert beschreibt.

Wieder geheilt, zog Samuel in die Stadt Sialkot, da er um seine Leben fürchtete. Doch Mohammad fand ihn auch dort. Samuel floh zu Verwandten nach Lahore, aber auch hier wurde er von Mohammad und dessen Leuten gefunden. Am helllichten Tag versuchten sie, ihn mitten auf dem belebten Marktplatz zu entführen, glücklicherweise kamen Händler Samuel zur Hilfe.

Völlig erschöpft zog er in das weit entfernte Karachi, aber erneut konnte er der Verfolgung durch Mohammad nicht entgehen. In seiner Not bat er seine Verwandten um Geld, damit er nach Europa fliehen konnte.

Samuel kam im Jahr 2015 über Griechenland nach Deutschland. Wie viele andere, ähnlich gelagerte Fälle, wurde sein Asylgesuch abgelehnt. Auch seiner Klage wurde nicht stattgegeben.

Sehr vielen geht es ähnlich wie ihm. Obwohl sie Unterstützung von christlichen Organisationen erhalten, wissen sie nicht, wo sie hinsollen, sobald ihr Asylgesuch abgelehnt wurde, und leben in einer Art Schwebezustand – nicht sicher, ob sie bald nach Pakistan abgeschoben werden sollen, wo sie ihr Schicksal erwartet.

*Name aus Sicherheitsgründen anonymisiert.