Der Horror – über die Leiden der pakistanischen Christen

Am 24. August 2017 wurde in Punjab der 17-jährige Christ Sharoon in einer Schule umgebracht, weil er angeblich Wasser aus dem gleichen Glas wie sein muslimischer Klassenkamerad getrunken hat.  Dieser Mord wurde später geleugnet, da der Täter später vermutlich von Freunden und Bekannten geschützt wurde.

Einige Wochen später wurde ein weiterer Christ, der 14-jährige Arsalan Masih, von der Polizei in Punjab umgebracht, weil er seinen muslimischen Klassenkameraden nicht zuhörte und sich weigerte zum Islam zu konvertieren.

2016 kamen bei einem Bombenattentat in Lahore 69 Menschen ums Leben, die gemeinsam das Osterfest feiern wollten.  Zu diesem Attentat bekannten sich die Taliban.

2012 wurde die junge Rimsha Masih als bisher einzige Nicht-Muslimin von der Anklage der Blasphemie freigesprochen. Laut CNN wurde sie von einem muslimischen Geistlichen verleumdet.

Ein CNN Report berichtet in 2013: „Mehr als 100 Häuser wurden von einem muslimischen Mob in Badami Bagh, Lahore angezündet, nachdem ein Christ beschuldigt wurde, schlecht über den Propheten Mohammed zu sprechen.  Im September des gleichen Jahres wurden 81 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt bei zwei Explosionen unmittelbar neben der Kirche in Peshawar.“

Dies sind nur einige Fälle, die in den Medien erschienen sind. Aber viele andere Fälle werden durch die Polizei oder die örtliche Bevölkerung unter den Teppich gekehrt. In vielen Fällen, von denen nicht berichtet wird, sind die Opfer nicht-muslimische Mädchen, hauptsächlich Hindu oder Christen, die gekidnappt werden. Diese Mädchen werden vergewaltigt und zur Konversion zum Islam gezwungen, um anschließend ihren Vergewaltiger zu heiraten. Ist ein Mädchen erst einmal verheiratet, so ist ihr Ehemann ihr gesetzlicher Vormund, und ihre Familie kann nichts mehr tun.

Warum werden Christen in Pakistan verfolgt?

Bei einer Gesamtbevölkerung von über 196 Millionen machte die christliche Minderheit von knapp 4 Millionen etwa 1,6 % aus. Damit sind die Christen die zweitgrößte Minderheit im Land. Die Mehrheit der Christen sind Nachkommen von Hindus aus der Kaste der „Unberührbaren“, die während des Britischen Empires zum Christentum konvertiert sind. Obwohl sie die Religion gewechselt haben, blieb das Stigma der „Unberührbaren“ an ihnen haften. Daher ist es ihnen schwer möglich, qualifiziertere Jobs zu bekommen und viele von ihnen arbeiten als Hilfsarbeiter, als Straßenkehrer, Kanalarbeiter oder Knechte in der Landwirtschaft. Mehrheitlich leben Christen in großer Armut und haben kaum Zugang zu Bildung, was die christliche Minderheit noch isolierter, schwächer und verletzlicher macht.

Die Feindseligkeit gegenüber Christen in der muslimischen Gesellschaft ist groß. Verteidigt man in einem Konfliktfalleinen Christen gegenüber einem Muslim, so bleibt man stigmatisiert, selbst wenn der Christ unschuldig ist. Diese Entwicklung ist erschreckend.

Darüber hinaus sind selbst die gesetzlichen Institutionen wie Polizei und Justiz von der öffentlichen Meinung beeinflusst und weigern sich zum Teil einzugreifen, selbst wenn die christlichen Familien all ihren Mut zusammenkratzen, um Vorfälle zur Anzeige zu bringen. Aufgrund dessen sind viele vermögende christliche Familien nach Europa oder Kanada geflohen, aus Angst vor Verfolgung und ungerechtfertigten Anschuldigungen auf Basis des Blasphemie-Gesetzes.

In 2014 schreibt das HRCP in einem Report: „Insgesamt wurden zwölf Fälle in Bezug auf § 295-C (Blasphemie-Gesetz) des Pakistanischen Strafgesetzbuches im Laufe des Jahres verzeichnet. Sobald in Pakistan jemand angeklagt ist, gegen das Blasphemie-Gesetz verstoßen zu haben, ist sein bzw. ihr Leben in Gefahr.“

Al Jazeera zitierte aus dem Bericht 2017 der Kommission für Religionsfreiheit der USA, der feststellt: „Obwohl bislang kein einziger Häftling in Pakistan aufgrund des Blasphemie-Gesetzes exekutiert wurde, sitzen gerade etwa 40 Personen in Todeszellen oder wurden zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt.“

In der pakistanischen Verfassung von 1973 wurde auf muslimischen Druck hin festgeschrieben, dass kein Christ oder Angehöriger einer anderen Minderheit Präsident oder Premierminister des Landes werden kann. Darüber hinaus sind einige Parlamentssitze für die Minderheiten reserviert, für die sie gewählt werden können, sowohl in das nationale als auch in die regionalen Parlamente. Allerdings gibt es kaum eine nennenswerte nicht-muslimische Partei in Pakistan. Die meisten der gewählten nicht-muslimischen Kandidaten müssen sich an das politisch korrekte Image halten, welches ihre muslimischen Parteien vorgeben.